SICH 1 WIDMEN NICHT 2

Jahresthema 2026: Zeichensysteme - imaginär oder real?

ein kuratorisches Konzept von Claudia-Maria Luenig.


Barbara Eichhorn studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien, und lebt und arbeitet in Wien. Ihre Arbeiten wurden in internationalen Institutionen und auf Festivals gezeigt, unter anderem Mahalla-Festival Istanbul, Kunstraum Niederösterreich, nadaLokal Wien, Neuer Kunstverein Gießen, Musée d´Art Moderne Saint Etienne, Lentos Museum, Belvedere 21. Barbara Eichhorn ist Lehrende an der Akademie der bildenden Künste Wien und an der New Design University, St.Pölten

Für Barbara Eichhorn ist die Zeichnung ein universelles und offenes Medium, dessen Ausdrucksmöglichkeiten immer wieder neu ausgelotet werden und dabei die Zeichnung als Wahrnehmungsprozess wie Denkraum, über den Körper und auch als soziale Handlung zu verstehen. Es geht um Spuren einer Anwesenheit, in ihrer Direktheit als (physisches) Gegenüber. Das Zentrale spielt sich dabei oft nicht auf dem Blatt selbst ab, sondern eher etwas daneben, vorher oder nachher, und ist somit auch eine Frage der Haltung. Ihre Formate bewegen sich zwischen Abbild, performativer Zeichnung, Performance und Installation.

Im Zeichnen materialisiert sich ein performativer Akt, in den sie ihren eigenen Körper, ihren Puls und ihre Atmung einbezieht. Bedeckt von einem Blatt Papier zeichnet die Künstlerin die Oberfläche ihres Körpers nach, sucht nach ihren Profilen, testet ihre Grenzen, überzeichnet und definiert ihre Formen neu. Daraus entstehen Linien, die sich dick, dünn, langgezogen und gekrümmt erstrecken, mit unerwarteten Brüchen und unregelmäßigen Leerräumen; der menschliche Körper als lebendiges und sich veränderndes Medium:

„Es ist, als würde ich den Zustand des Seins zeichnen, es lässt mich nachdenken über unseren zerbrechlichen Augenblick und darüber, was es bedeutet, in einer sich verändernden Welt präsent zu sein“.

Für Kamilla Szíj ist Zeichnen ein meditativer Akt. In jedem Werk entdecken wir ein riesiges, zusammenhängendes Netzwerk kombinierter Elemente, fraktale oder repetitive Kompositionen von Formen, die mit feinsten Bleistiftstrichen und geduldiger Ausführung geschaffen wurden und die Kräfte eines höheren Prozesses zu reproduzieren scheinen. Jedes Werk wird zu einem kleinen visuellen Schatz, der uns an das Wunder der Schöpfung erinnert:

Meine Zeichnungen sind Konzentrate; Ich versuche, mit ihnen einen Teil zu schaffen, der sich auf das Ganze bezieht“.

 

Barbara Eichhorn (A) und Kamilla Szij (HU)


Ausstellung

Eröffnung | Freitag, 22. Mai 2026, 19 Uhr

Künstlerinnengespräch | Samstag, 13. Juni 16 -18 Uhr, mit Barbara Eichhorn und Kamilla Szij, Moderation Claudia-Maria Luenig

Die Künstlerinnen Barbara Eichhorn und Kamilla Szij sprechen über das Zeichnen als Praxis der Beharrlichkeit und Aufmerksamkeit. Im Rahmen der Ausstellung SICH 1 WIDMEN NICHT 2 werden ihre meditativen Arbeiten einander gegenübergestellt – als Einladung, dem Moment Raum zu geben und das Verweilen zu üben.

Wie entsteht Konzentration in der Unruhe des Alltags? Welche Rolle spielen Wiederholung, Zeit und Hingabe im künstlerischen Prozess? Das Gespräch eröffnet Einblicke in ihre Arbeitsweisen und lädt dazu ein, Zeichnung als stillen, widerständigen Akt zu verstehen.

Im Rahmen des Tags der ACHTsamkeit

Finissage | Mittwoch, 17. Juni 2026, 19 Uhr

Ausstellungsdauer | bis 17. Juni 2026

Öffnungszeiten | jeweils Mittwoch - Freitag, 15 - 18 Uhr und nach Vereinbarung.


Auf dem Weg zur Erweiterung der Wahrnehmung

Zeichnen ist die unmittelbarste Sprache zwischen Idee und Ausführung. Es ist eine synthetische Sprache, ohne Rhetorik, direkt mit unserem Geist verbunden, in der Lage, dessen Geheimnisse zu stehlen und zu Papier zu bringen.

In Barbara Eichhorns Arbeiten zeigen Fäden auf Glasbatist den Rhythmus des eigenen Atems als Linien, welche ursprünglich auf der Oberfläche ihres Körpers gezeichnet wurden. Die langsame Beständigkeit und Kontinuität des Stickens dienen dazu, ähnlich wie schon das bewusste Atmen, sich in der Welt zu verorten und zu erden.

Barbara Eichhorn

Kamilla Szij entwickelt in ihren Zeichnungen visuelle Monologe, in der ständigen Wiederholung feiner Striche werden diese zu Konzentraten ihres Denkens. Dabei folgt sie ihrem Interesse nach Visualisierung der Existenz, dem Ganzen, auf einer abstrakten Ebene.

So unterschiedlich der Ausgangspunkt in den Arbeiten der beiden Künstlerinnen ist, wird die gezogene Linie und die Beharrlichkeit in der Ausübung zum gemeinsamen Nenner. SICH 1 WIDMEN NICHT 2 ist die Fähigkeit zu eben dieser Beharrlichkeit, sich in der Dichte unseres Alltags, der Unruhe und Ablenkungen auf eins zu konzentrieren - ohne das andere aus den Augen zu verlieren. In der Ausstellung hängen die Arbeiten der beiden Künstlerinnen nebeneinander, gegenüber und je nach Blickwinkel betrachtet ineinander über.

Kamilla Szíj