Auf den Raum zu.

Jahresthema 2026: Zeichensysteme - imaginär oder real?

ein kuratorisches Konzept von Claudia-Maria Luenig.


Anna Rudolf

“Ich zeichne, um mir meine Gedanken sichtbar zu machen. Im Zeichnen entsteht etwas, worauf ich mich beziehen kann. Ich bin in unmittelbarem Dialog mit dem, was auf dem Blatt im Entstehen ist.

Linien sind für mich autonome Entitäten. Jede einzelne ist auf der Suche nach etwas, was sie darstellen könnte. Manchmal scheint es mir, als stiegen Urwesen aus dem Unterbewussten aufs Papier, und alle stehen sie zueinander in einer Beziehung. Man denke an Fütterung, Liebkosung, Angriff, Verwundung, an Wachstum oder Umwandlung. Im Laufe der Zeit sind meine Zeichnungen immer grösser geworden, und eines Tages bot ein Blatt Papier den Linien nicht mehr genügend Raum, sich zu entfalten. Ich fing an, in Räumen zu zeichnen, die vollständig mit Papier bedeckt sind. Diese Zeichnungsinstallationen sind mit Kohle und Tusche bezeichnete Räume, die man betreten kann. Man ist umgeben von der Zeichnung und steht auf der Zeichnung. Als Betrachter ist man selbst Teil der Zeichnung.”


Claudia-Maria Luenig verwandelt über einen Zeitraum von einem Monat den Raum in eine lebendige und sich bewegende Zeichnung. Aus dem Nichts heraus entwickeln sich Linien, die der Wand entlang wandern und sich vom Papier ausbreiten. Die Linien und die gezeichneten Formen entwickeln sich miteinander und auseinander, sie orientieren sich am Körper der Künstlerin, ziehen sich in den Raum. Eine Erweiterung der Zeichnung orientiert sich am Zeichenprozess von Anna Rudolf, die beiden Küsntlerinnen bewegen sich zeichnerisch im puuul langsam aufeinander zu. Linienführungen in Draht sind eine ergänzende Komponente die sich auf die ausdruckstarke Strichführung von Anna Rudolf bezieht. Diese Erweiterung wird in die Zeichnung integriert, aber auch isoliert und separat gesetzt, so bewegen sich beide Künstlerinnen Auf den Raum zu.

 

Anna Rudolf (NL/SUI) / Claudia-Maria Luenig (AT/D)


Ausstellung

Aktives Zeichnen | 6. Februar – 6. März 2026


1. Jour Fixe
| Samstag, 14. Februar, 15 - 18 Uhr, mit Claudia-Maria Luenig

2. Jour Fixe | Freitag, 27. Februar, 15 - 18 Uhr, mit beiden Künstlerinnen

Eröffnung | Freitag, 6. März 2026, 19 Uhr

Zum Projekt spricht Georg Lebzelter, Künstler, Vizepräsident Künstlerhaus Wien

Ausstellungsdauer | bis 13. März 2026

Öffnungszeiten | jeweils Donnerstag - Samstag, 15 - 19 Uhr und nach Vereinbarung.


"There is no way to make a drawing - there is only drawing.”

Zu den Zeichnungen von Richard Serra

Für das Jahr 2026 steht die Zeichnung im Mittelpunkt der künstlerischen Arbeiten der ausgesuchten Künstlerinnen. Schon in den letzten zwei Jahren war die Zeichnung immer wieder ein Teil der künstlerischen Präsentationen im basement. Doch im Jahr 2026 wird hier ein Schwerpunkt gelegt, auch auf das prozesshafte Arbeiten mit der Zeichnung. Die Vielschichtigkeit der Zeichnung, weg von der Signatur des Stiftes auf Papier, wird in Systemen und räumlichen Konstellationen erforscht.

“Zeichnen ist die unmittelbarste Sprache zwischen Idee und Ausführung. Es ist eine synthetische Sprache, ohne Rhetorik, direkt mit unserem Geist verbunden, in der Lage, dessen Geheimnisse zu stehlen und zu Papier zu bringen.” Pia Jardi

Wassily Kandinsky definierte Zeichnen als eine Beziehung zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, zeigt so die Zeichnung eine Art Vorahnung von dem zu erwartenden? Subtilität, sorgfältig abgestimmte Monochromie, feine Konturen, feinste Technik – diese Beschreibungen werden eher mit Zeichnungen in Verbindung gebracht. Und sie lassen sich leichter auf traditionelle Praktiken anwenden, wo themenbezogene wie auch dokumentarische Ansätze visualisiert werden. Künstlerinnen lösen die klassische Definition der Zeichnung auf und schaffen abenteuerliche Materialverflechtungen und Collagen, Klein- und Großformate, Verschachtelungen und dreidimensionale Modelle, die im Raum wachsen. Die Linie dagegen fügt sich ein, schafft eine Fortsetzung, eine endlose Möglichkeit von Form, Grenze, Bezeichnetem und Unbezeichnetem, Sichtbarem und Unsichtbarem. Die Linie wird hier zum Medium für Wiederholung und Form.

Bei der Bilderstellung durchläuft das Zeichnen ein System verschiedener Phasen: Recherchen, kleinformatige Testzeichnungen bis zur direkten Übertragung und zum Transfer auf Papier oder die Wand. Im Prozess des Suchens entstehen Übersetzungen für Strukturen, für Atmosphären und Emotionen. Daher ist die Zeichnung nicht nur eine Skizze auf Papier, sondern vielmehr eine Praxis, die sich ständig weiterentwickelt. Die Zeichnung bildet das Sichtbare ab und macht Vorstellungen, Ideen, Reflexionen und Intuitionen sichtbar. Sie kann Dokumentation, Information oder Kunst sein und in der Beziehung zum Betrachter immer Kommunikation.

Die Künstlerinnen Claudia-Maria Luenig und Anna Rudolf werden über Zeitraum von 5 Wochen das prozesshafte Zeichnen über ihre eigenen Strategien entwickeln, aber mit dem Ziel, sich am Ende der Ausstellungszeit zeichnerisch und räumlich anzunähern. Der Ausstellungsraum puuul fungiert dabei als gemeinsame Zeichenfläche, auf der sich die Künstlerinnen austauschen, geteilte Strategien entwickeln und diese im Prozess erproben.