Christina Gruber.

Christina Gruber: “Donaudelta”, 2017, C-print auf Alu-Dibond, 60 x 80 cm


Christina Gruber, geboren 1987, ist Gewässerökologin, bildende Künstlerin und Dozentin in Wien und Linz. Ihr Forschungsinteresse gilt großen Flüssen, in denen sie Beziehungen zwischen verschiedenen Arten, alternative Formen der Pflege, politische Resilienz und ökologische Pädagogik mit Hilfe spekulativer Erzählungen erforscht. Derzeit unterrichtet sie an der Universität für Angewandte Kunst Wien und an der Universität für künstlerische Gestaltung Linz. Im Rahmen des servus.at Research Lab setzt sie sich kritisch mit digitalen Ökosystemen und deren ökologischen Auswirkungen auseinander.

 

Ökoton

stories of wetlands and interstitial spaces


Ausstellung

Eröffnung | Freitag, 14. Oktober 2022, 17:00 - 22:00 Uhr

Ausstellungsdauer | 15. Oktober bis 19. November 2022

Öffnungszeiten | jeweils Donnerstag - Samstag, 15:00 - 19:00 Uhr und nach Vereinbarung


Die Arbeiten der Ausstellung navigieren entlang wässriger Übergängszonen. In der Ökologie nennen sich diese Bereiche Ökotone, sie sind der Ort an dem zwei Gemeinschaften (Ökosysteme) aufeinandertreffen, ineinander übergehen, oder sich trennen. 

Ökotone sind ständig im Wandel, klare Grenzen verschwimmen. In der Gewässerökologie beschreiben sie den Bereich zwischen Wasser und Land, dazu zählen Feuchtgebiete wie Auen, Sümpfe, Marschland, Moore und Flussdeltas. Diese Flussuferzonen sind nicht nur aus ökologischer Sicht Hotspots für Biodiversität und wichtige Kohlenstoffspeicher, sie stellen auch häufig in Science-Fiction, Fantasy und Horrorgeschichten den Austragungsort für diverse Übergänge und Verwandlungen dar. 

Aber wie lange wird diese Veränderung noch möglich sein, wenn die Bewegungsräume für Flüsse immer enger werden? Können wir unseren Wasserkörpern wieder mehr Raum geben, um langsam zu erahnen, dass es nicht wir sind die denken, sondern die Umwelt durch uns denkt? [1]

In der Ausstellung treten mehrere dieser Ökotone raumübergreifend zum Vorschein und zeigen die vielfältige Auseinandersetzung von Christina Gruber mit diesen Lebensbereichen. Mehr-als-menschliche Akteure werden zu aktiven Kollaborateuren und klare Grenzen von Körpern lösen sich auf. Unsere Oberflächen stellen sich als porös, transpirierend, absorbierend und freisetzend dar. Die Arbeiten führen vom Mississippi Delta über die Donau bis zu wassergekühlten Datenzentren.

Christina Gruber beschäftigt sich in ihrer wissenschaftlichen wie künstlerischen Arbeit mit Flüssen und Landschaften im Übergang. Seit mehreren Jahren ist die akustische Annäherung an die Umwelt von großem Interesse für sie, da sie eine nicht-invasive Forschungsmethode darstellt und bis jetzt nur wenig über die Klangwelten von Flüssen bekannt ist. 

[1] Abram, David. The Spell of the Sensuous: Perception and Language in a More-Than-Human World. Pantheon Books, 1996.