Dirk Lange, Marmorpapier


Dirk Lange zählt zu den letzten traditionellen Buntpapiermachern Deutschlands und gilt als ausgewiesener Meister des Marmorpapiers in all seinen Facetten. Seine Arbeit gründet auf einem tiefen Verständnis historischer Techniken, die er mit großer Präzision und handwerklicher Souveränität ausführt. Gleichzeitig begreift er das überlieferte Wissen nicht als statisches Erbe, sondern als lebendigen Ausgangspunkt für künstlerische Weiterentwicklung.

In seiner Praxis verbindet Lange technisches Können mit experimenteller Offenheit. Er lotet die Möglichkeiten des Materials kontinuierlich aus, verschiebt bewusst die Grenzen traditioneller Verfahren und erschließt neue Ausdrucksformen innerhalb eines jahrhundertealten Handwerks. Dabei entstehen faszinierende Kompositionen, in denen sich kontrollierte Prozesse und fließende, unvorhersehbare Bewegungen überlagern.

Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine besondere Tiefe und Komplexität aus: Schichten bilden sich, lösen sich wieder auf, verdichten sich zu rhythmischen Strukturen und lassen Bildräume entstehen, die weit über ihre dekorative Funktion hinausweisen. So positioniert Dirk Lange das Buntpapier nicht nur als kunsthandwerkliche Praxis, sondern als eigenständige künstlerische Ausdrucksform von hoher ästhetischer und zeitgenössischer Relevanz. 


Alexander Schattovich ist ein in Wien tätiger Künstler und Buntpapiermacher, dessen Arbeit sich an der Schnittstelle von Gestaltung, Handwerk und künstlerischer Forschung bewegt. Seine Ausbildung zum Musterzeichner in der Klasse für Textildesign an der HBLVA Spengergasse sowie sein Studium des Landschaftsdesigns an der Universität für angewandte Kunst Wien bilden die gestalterische Grundlage für seinen heutigen Zugang zu Form, Struktur und Fläche. Ausgehend von seiner Faszination für Papier und ornamentale Systeme gründete er 2021 das Label schatto.studio – paper | pattern | boxes.

Im Zentrum seiner künstlerischen Praxis steht die intensive Auseinandersetzung mit historischen Mustern und Materialien. Diese Beschäftigung ist weniger retrospektiv als vielmehr produktiv: Aus der Freude am Entdecken entwickelt er eigenständige zeitgenössische Muster, die in Form von Papieren, Schachteln und fein gearbeiteten Objekten umgesetzt werden.

Sein Wiener Atelier fungiert zugleich als Arbeitsraum und Archiv. Neben einer umfangreichen Sammlung historischer Papiere und Schachteln beherbergt es ein Konvolut von rund 2.000 Musterwalzen, die einen zentralen Ausgangspunkt seiner Arbeit bilden. Auf dieser Basis hat Schattovich eine eigene Technik zur Bemusterung entwickelt, bei der er mit Acryl und Tusche auf ausgewählten Papieren arbeitet – darunter Materialien aus seiner Sammlung ebenso wie hochwertiges Ingres-Büttenpapier.

In seinen Arbeiten verbindet sich präzises handwerkliches Können mit experimenteller Offenheit. Historische Referenzen werden transformiert und weitergedacht. So entstehen vielschichtige Bild- und Objekträume, in denen sich Ornament, Materialität und künstlerischer Ausdruck zu einer eigenständigen zeitgenössischen Position im Feld des Buntpapiers verdichten.


Hannah Stippl studierte Malerei und Graphik an der Universität für angewandte Kunst Wien, wo sie von 2005 bis 2017 in der Klasse für Landschaftsdesign/kunst unterrichtete. Sie entwirft große Szenerien mit floralen Mustern und Schriftzügen, die den Betrachter in neue Sphären eintauchen lassen. Ihre Beschäftigung mit kulturhistorischen und ökologischen Aspekten von Pflanzen, Gärten und Landschaften beeinflusst ihre künstlerische Arbeit grundlegend.

 

Virtuose Flächen.

Buntpapier als Kunstform

Dirk Lange, Alexander Schattovich & Hannah Stippl


Ausstellung

Eröffnung | Freitag, 25. September 2026 

Ausstellungsdauer | bis Freitag, 23. Oktober 2026

Öffnungszeiten | jeweils Mittwoch - Freitag, 15 - 18 Uhr und nach Vereinbarung.


„Die Kunst besteht darin, den Zufall zu lenken.“
— Denis Diderot

Farbe fließt. Muster entstehen. Entscheidungen treffen auf Unvorhersehbares. Was sich zeigt, ist kein kontrolliertes Bild – sondern ein lebendiger Prozess. Der Zufall wird hier nicht gebändigt, sondern begleitet. Es entfalten sich vielschichtige Bildräume: lebendig, eigenständig, überraschend.

In kunsthistorischer Perspektive bezeichnet Buntpapier ein ornamental gestaltetes Papier, dessen Erscheinung durch Verfahren wie Marmorierung, Kleistertechnik, Model- oder Rolldruck hervorgebracht wird. Seit der Frühen Neuzeit bewegt es sich im Spannungsfeld von Kunsthandwerk und freier Kunst: einerseits geprägt von seriellen Herstellungsprozessen, andererseits offen für Zufall, Variation und individuelle Handschrift. In seiner Materialität vereint Buntpapier Farbe, Struktur und Bewegung und wird so vom funktionalen Träger zum eigenständigen künstlerischen Medium.

Die Ausstellung Virtuose Flächen widmet sich dieser besonderen Qualität und versteht Muster als Versuchsanordnung: Farbe agiert als Mitspielerin, Papier als Ort eines offenen Prozesses. Hier begegnen sich Kontrolle und Loslassen, Präzision und Spontaneität, Handwerk und Experiment. Fließende Pigmente, geschüttete Farbspuren und bewusst gesetzte Strukturen bilden Kompositionen, die sich stetig verändern und in ihrer Tiefe erst im genauen Hinsehen erfahrbar werden.

Im Zentrum steht die Dynamik des Entstehens. Muster entwickeln Rhythmus, überlagern sich, brechen auf und finden neue Balance. Der Zufall wird nicht als Störung begriffen, sondern als produktive Kraft – als Mitgestalter im künstlerischen Prozess. Zwischen Intuition und Entscheidung entstehen Bildräume von großer Intensität, getragen von Bewegung, Energie und einer spürbaren Hingabe an das Material.

Die gezeigten Arbeiten erweitern den traditionellen Kunstbegriff: Buntpapier erscheint hier nicht länger als bloßes Beiwerk, sondern als autonome Ausdrucksform. In Serien angelegt und doch in jedem Blatt einzigartig, eröffnen sie Papierwelten, die von Transparenz und Dichte, von Rhythmus und Ruhe, von kontrollierter Virtuosität und riskanter Offenheit geprägt sind. Die Verbindung von handwerklichem Können und experimenteller Freiheit verleiht ihnen eine sinnliche Präsenz, die gleichermaßen visuell wie haptisch erfahrbar wird.

Diese Ausstellung lädt dazu ein, Buntpapier neu zu entdecken – als lebendiges Feld zwischen Struktur und Zufall, zwischen Tradition und zeitgenössischer Prozesskunst. Sie ist eine Hommage an die Materialität des Papiers, an die Freude an Farbe und an die Leidenschaft, im scheinbar Bekannten immer wieder neue Ausdrucksmöglichkeiten zu finden.


Alexander Schattovich, Musterpapiere